Buchempfehlungen von Litera
Mick Herron – Slow Horses
River Cartwright hat es versiebt: als MI5-Agent des Secret Service war er maßgeblich an einem Einsatz in der Londoner U-Bahn beteiligt und der ist gründlich daneben gegangen. Nicht nur ist er für 120 getötete oder schwer verletzte Menschen verantwortlich, auch 30 Mio Pfund Sachschaden und 2,5 Mrd Pfund Verlust in der Touristikbranche gehen auf sein Konto. Besser gesagt: würden auf sein Konto gehen, wäre dieser Selbstmordanschlag Realität und keine Übung gewesen. So oder so: er muss als Agent den Hauptsitz am Regent Park verlassen und auf Bewährung seine Zeit im "Slough House" fristen, einer heruntergekommenen Zweigstelle des Secret Service mit…
Lisa McInerney – Glorreiche Ketzereien
Typisch irisch? Maureen Phelan erschlägt versehentlich in ihrer Küche den Einbrecher Robbie O`Donovan. Ihr großkrimineller Sohn Jimmy Phelan entsorgt die Leiche mit Unterstützung von Tony Cusack, einem kleinkriminellen Vater von sechs halbwüchsigen Kindern. Dessen Nachbarin, die höchst unsympathische Tara Duane ist bestens bekannt mit allen Prostituierten der Stadt, so auch mit Georgie, der minderjährigen Freundin von Robbie, die von dem ebenfalls noch unflüggen Ryan, Tonys Sohn, den Stoff für ihre traurigen Hurenträume bezieht. Das ist die sehr reduzierte Kurzfassung des glorreichen irischen Romans der jungen Autorin Lisa McInerney, die trotz einer sympathisch schriftstellerischen Zugewandtheit ihre Figuren – und die oben…
Celeste Ng – Kleine Feuer überall
„In diesem Sommer redeten alle in Shaker Heights darüber, wie Isabelle, das jüngste Kind der Richardsons, schließlich durchdrehte und das Haus niederbrannte.“ Wie schon in ihrem Roman „Was ich euch nicht erzählte“ greift die amerikanische Autorin Celeste Ng auch in ihrem neuen Buch bereits mit dem ersten Satz mitten in die Geschichte, die sie erzählen wird und beginnt quasi mit dem Ende, um danach von Anfang an aufzurollen, wie es zu diesem Ereignis kam. Besser kann man das nicht machen: wir sind als Leser sofort in dem wohl(an)ständigen Vorort von Cleveland, Ohio, namens Shaker Heights, in dem der Roman in…
Julia Jessen – Die Architektur des Knotens
Yvonne, Jonas, Mika + John - das ist die kleine Familie, die Julia Jessen in ihrem neuen Roman beschreibt. Es ist ein glückliches und gutes Leben, das sie führen: Yvonne arbeitet als Grundschullehrerin, Jonas betreibt mit seinem Freund Frank eine Krankengymnastik-Praxis und die beiden kleinen Jungs sind gesund und frech, wie es sich für kleine Jungs gehört. Alles ist geregelt, keine Krankheiten plagen, Freunde und Verwandte sind da, also kurz: eine Traum-Familie. Wäre da nicht diese Unsicherheit, die Yvonne seit einiger Zeit verspürt. Ihr Drang, unpassende Dinge zu tun und Sätze zu sagen, die ihr im Nachhinein unerklärlich sind und…
Hannes Köhler – Ein mögliches Leben
Franz Schneider, ein junger Bergmann aus Essen, wird als Soldat 1944 in einem amerikanischen Kriegsgefangenenlager in Texas interniert. Heute, als mittlerweile fast 90jähriger Mann, bittet er seinen Enkel, mit ihm eine Erinnerungsreise dorthin zu unternehmen. Martin kommt dem nach, nicht zuletzt, um den von seiner Mutter als harten und unnachgiebig beschriebenen Großvater besser kennen zu lernen und sein Verhältnis zu ihm zu klären. Gemeinsam fliegen sie zur Gedenkstätte in die Nähe von Austin, Texas, um sich dort auf den Spuren von Franz´ Vergangenheit zu bewegen. Während der Reise erkennt Martin, dass Franz sich gerne auf seine Schwerhörigkeit besinnt, wenn es…
Lilian Loke – Auster und Klinge
Es ist nicht unbedingt Sympathie auf den ersten Blick bei den beiden recht gegensätzlichen Männern, die das Leben hier zusammenführt: Victor ist Kellner und leidenschaftlicher Einbrecher, träumt von einem eigenen Restaurant und hat nach einem verunglückten Bruch seine Gefängnisstrafe abgesessen. Frau und Tochter haben genug von seinen Eskapaden und ihm den Stuhl vor die Tür gesetzt. Durch ein geregeltes Leben im angestrebten Edelrestaurant mit einem befreundeten Koch zusammen will er seine Familie wieder zurückgewinnen. Georg, Erbe eines Schlachthofimperiums, steht auch recht verkantet im Leben. Als Künstler lebt er in einfachen Verhältnissen, rührt sein geerbtes Geld aus moralischen Gründen nicht an…
David Szalay – Was ein Mann ist
Versuche, die Männer zu beschreiben, gibt es diverse in Literatur und Musik und spätestens seit Herbert Grönemeyer mit gepresster Stimme die Frage nach dem Mann und wann er einer ist stellte, hoffen wir auf eine Antwort. Die gibt uns jetzt David Szalay, der Shooting-Star der britischen Literaturwelt, wenn auch nur für neun Beispiele: In ebenso vielen Kapiteln lässt er auf 500 Seiten die unterschiedlichsten Männer quer durch Europa reisen, wobei London für alle Geschichten Dreh- und Angelpunkt ist. Da sind Simon und Ferdinand, zwei Inter-Railer, die etwas erleben möchten und in einer schäbigen Bruchbude in Prag auf ein tristes erotisches…
Amy Liptrot – Nachtlichter
Mit Anfang dreißig spült das Leben Amy Liptrot zurück an den Ort ihrer Kindheit - die Orkney Islands, selbst für das dünn besiedelte Schottland eine sehr abgelegene Region. Hier schwimmt die britische Journalistin morgens im eiskalten Meer, verbringt ihre Tage als Vogelwärterin auf den Spuren von Orkneys Flora und Fauna und ihre Nächte auf der Suche nach den „Fröhlichen Tänzern“, wie die Nordlichter hier genannt werden. Und sie beginnt nach zehn Jahren Alkoholsucht wieder Boden unter den Füßen zu gewinnen. Mit entwaffnender Ehrlichkeit erzählt Amy Liptrot von ihrer Kindheit, ihrem Aufbruch in die Stadt, zuerst nach Edinburgh, später nach London…
Hannah Tinti – Die zwölf Leben des Samuel Hawley
"Als Loo zwölf Jahre alt war, brachte ihr Vater ihr das Schießen bei." Bereits der erste Satz dieses Buches nimmt den Leser gefangen und zieht ihn in eine 560 Seiten starke Geschichte, die so bildhaft erzählt ist, dass man gut daran tut, sich diesem Genuss an einem leselangen Wochenende ungestört ohne Unterbrechung zu widmen. Samuel Hawley ist gesetzlos, er ist bis an die Zähne bewaffnet und erledigt seine unterschiedlichen kriminellen Jobs stets an der eigenen Schmerzgrenze ohne Schonung von Körper und Leben. Zwölf Kugeln haben ihn bereits verwundet, in zwölf Kapiteln seines Lebens erzählt der Roman von seinen schmutzigen Geschäften…
Mariana Leky – Was man von hier aus sehen kann
Liest man die Inhaltsangabe mancher Romane, drängt sich unmittelbar das Bild eines Schüttelbechers auf: man nehme einige originelle Zutaten, mische alles gut durch und fertig ist der leckere Rührkuchen oder ein ungenießbares Geklumpe - je nachdem. So ist es auf den ersten Blick auch bei dem neuen Buch von Mariana Leky. Die Einkaufsliste klingt bemüht experimentell: eine alte Dame aus dem Westerwald, der im Traum gelegentlich ein Okapi erscheint (worauf jedes Mal jemand aus dem Dorf den Tod findet), ein gutaussehender Buddhist mit sehr blauen Augen, ein verliebter Optiker, ein Dorf voller wunderlicher Nachbarn und Luise (die Enkelin der Okapi-Träumerin),…
Stephanie Danler – Sweetbitter
Kellnerin zu werden war nicht gerade der Berufswunsch von Tess, die zum Studium aus der Provinz nach New York kommt. Doch als sie sich auf eine Stelle im angesagten Edel-Restaurant am Union Square bewirbt und diese überraschenderweise auch noch bekommt, verschiebt sie ihre Studienpläne erst einmal. Als Hilfskellnerin erfährt sie hautnah die Rang- und Hackordnung der Gastro-Szene, lernt nach und nach die Weine zu unterscheiden, die sie abends den Gästen servieren wird und bekommt langsam ein Gefühl dafür, was gutes Essen ausmacht. Ihr Leben spielt sich fortan fast ausschließlich zwischen dem Café und ihrem WG-Zimmer ab, wo sie todmüde nach jeder…
Kent Haruf – Unsere Seelen bei Nacht
Kent Haruf war ein amerikanischer Schriftsteller (1943 bis 2014), der jeden seiner Romane in einer fiktiven Kleinstadt in Colorado namens Holt spielen ließ und der in Deutschland mit seiner schönen Ballade "Flüchtiges Glück" bekannt wurde. Kurz vor seinem Tod erschien in Amerika sein fünfter und letzter Roman "Unsere Seelen bei Nacht" – ein nur knapp 200 Seiten schmales Büchlein, eindrücklich in Sprache und dem unverwechselbaren Stil Harufs. Addie, eine Witwe von 70 Jahren, unterbreitet ihrem gleichaltrigen Nachbarn Louis, der nach dem Tode seiner Frau ebenfalls alleine lebt, einen ungewöhnlichen Vorschlag: wäre es nicht denkbar, die Nächte, in denen beide schlaflos ihren…












