Buchempfehlungen von Litera
Manik Sakar – Ochsenkopf
Blutig, schräg und gut abgehangen: dieser Roman ist ein Schlachtfest! Und in den Niederlanden bereits ein Volltreffer. Dort spielt auch die Geschichte um den eigenwilligen Fleischer Rensing, der das sprichwörtliche „Händchen“ für Fleisch- und Wurstwaren hat. Bloß fehlt ihm die Gabe der Freundlichkeit, die Kundschaft verschreckt er mit seiner borstigen Sturheit. Als ein Supermarkt mit Sonderangeboten und Günstig-Fleisch im Ort eröffnet wird, heißt es Umdenken und freundlich werden. Nicht leicht für Rensing, der seine Grobschlächtigkeit so perfektioniert hat seit Kindertagen. Schwarzhumorig mit stets neuen rasanten Wendungen ist der erste Roman des Niederländers Manik Sarkar ein echter pageturner: unter jedem Schnitzel…
M. L. Stedman – Ein weites Leben
Seit Generationen lebt die Familie der MacBrides auf der entlegenen Schaffarm Meredith Downs in Westaustralien. Bis eines Tages ein Unfall alles verändert. Während Vater Phil und der älteste Sohn Warren ihr Leben verlieren, übersteht der 17-jährige Matthew das Unglück mit schweren Beeinträchtigungen. Nach langem Krankenhausaufenthalt kehrt er heim nach Meredith Downs, zurück zu Mutter Lorna und seiner Schwester Rosie. Und während er noch versucht, die nur spärlichen Erinnerungen an sein früheres Leben zusammenzusetzen, schlägt das Schicksal ein zweites Mal zu. Vom Tag des Unfalls am 10.1.1958 bis zum Januar 2000 begleiten wir Matts langen, mühsamen und schicksalsreichen Lebensweg, der ihm…
Lilli Tollkien – Mit beiden Händen den Himmel stützen
Die krasse Außenseiter-Kindheit in einer Berliner Kommune der 1980er Jahre beschreibt die Autorin Lilli Tollkien in atemberaubendem Erzählrausch: jede Menge Freiheiten und gleichzeitig Missbrauch und Vernachlässigung sind für die kleine Lale an der Tagesordnung. Die Mutter ist drogenabhängig und der Vater interpretiert den Begriff „Sorgerecht“ höchst eigenwillig: die laschen Aufsichtspflichten teilen sich die ausschließlich männlichen Kommunen-Mitglieder nach Laune und jeweiliger Tagesform. Es herrscht Anarchie und Lales Bedürfnis nach Nähe und Fürsorge wird von den Mitbewohnern und ihren wechselnden Freundinnen mal besser mal schlechter erfüllt. Kann so ein Lebensstart gelingen? Oft traurig, manchmal haarsträubend, dabei lebensnah und authentisch ist dieser immer…
Katrin Zipse – Moosland
Als Elsa im Sommer 1949 in Island ankommt, ist sie eine der knapp dreihundert junge Frauen aus Deutschland, die dem Aufruf der isländischen Bauernpartei gefolgt sind, um dort ein Jahr auf Höfen zu arbeiten. Die Bauern hoffen auf Arbeitskräfte sowie Heiratskandidatinnen, nachdem viele Isländerinnen in die Städte abgewandert sind. Sprachkenntnisse können die Frauen nicht vorweisen, aber oft haben sie nichts zu verlieren. Auch Elsa schweigt. Sie ist nicht hier, um zu bleiben, sie trauert um ihre Freundin Sola, und mit den Bauersleuten kann sie sich zunächst ohnehin nicht verständigen. Dennoch entsteht zwischen Grassodenhaus, leuchtenden Wiesen und endlosem Meer ein Zusammenleben,…
Anna Maschik – Wenn du es heimlich machen willst, musst du die Schafe töten
Mit diesem ungeheuerlichen Satz schleudert uns Anna Maschik direkt in die Familiengeschichte von Alma, die aus ihrer Verwandtschaft ein Netz von höchst sonderbaren Gestalten webt, das beginnend mit Urgroßmutter Henrike bis zu ihrer eigenen Jugend reicht. Selbst die Randfiguren in dieser 3-Generationen-Erzählung wie z.B. die Hebamme Anna und die Totengräberin Nora (die erstaunlich langlebig zu sein scheinen) beeindrucken durch ihre Präsenz und schmücken dieses magische Figurenkabinett aus. In mal längeren, mal kürzeren Sequenzen erschafft Maschik einen Roman voller Tiefe, Leichtigkeit und Phantasie, der so ungewöhnlich und innovativ daher kommt, dass es eine Freude ist. Nicht immer wird linear erzählt, manches…
Leon Engler – Botanik des Wahnsinns
Was bedeutet „normal“? Und was wird aus einem, der eine Familie des Wahnsinns hat? Die Großmutter - bipolar und 12 Suizid-Versuche Der Großvater - beständiger Gast in der Psychiatrie Der Vater – depressiv Die verstorbene Mutter - suchtkrank Nach verschiedenen Stationen in München, New York und Wien findet Leon Engler, unschwer erkennbar die Hauptfigur dieses autobiografischen Romans, die Lösung für seine Angst vor dem eigenen „Verrücken“: er studiert Psychologie und lernt in der Arbeit mit Patienten, sich mit seiner eigenen Geschichte zu versöhnen. Trotz der Schwere des Themas ist dieses Buch eine schwungvolle und sympathische Lektüre! dumont 2025 / €…
Isabel Allende – Mein Name ist Emilia Del Valle
1866 wird Emilia in San Francisco geboren als uneheliche Tochter einer irischen Klosterschülerin und eines chilenischen Aristokraten. Schon früh versteht sie sich als Schriftstellerin, auch wenn ihre ersten überaus erfolgreichen Groschenromane noch unter männlichem Pseudonym erscheinen müssen. In ihrer ersten Anstellung bei der örtlichen Zeitung geht sie als Journalistin nach Chile, um über den Bürgerkrieg zu berichten. Leid, Schmerz, erste Liebe und die Begegnung mit der Familie ihres Vaters gehören zu den Erfahrungen, die sie dort macht. Dies ist wieder eine „echte Allende“: spannend und kenntnisreich geschrieben und im Mittelpunkt eine starke und nach Unabhängigkeit strebende Frau. Historisch und lehrreich…
Benjamin Wood – Der Krabbenfischer
Für Thomas Flett, einen jungen Fischer Anfang zwanzig, bedeutet der Strand von Longferry die ganze Welt und sein Leben besteht aus aufstehen, arbeiten, den Fang verkaufen und nach einem Bier im Pub ins Bett. Seine Vorstellung von der Zukunft gleicht der Gegenwart – wenig Einkommen, ärmliche Verhältnisse und vielleicht eines Tages mit Joan, in die er heimlich verliebt ist, eine Familie gründen. Als eines Tages ein Regisseur im Ort auftaucht auf der Suche nach einem Drehort für seinen neuen Film, sieht er in Thomas nicht nur den perfekt geeigneten Ortskundigen sondern will ihn auch als Schauspieler engagieren. Für einen kurzen…
Amanda Peters – Beeren pflücken
So wunderschön wie der Buchumschlag ist auch der malerische Inhalt, der im Roman der kanadischen Schriftstellerin Amanda Peters einen erzählerischen Bogen von den 1960er Jahren bis in die Gegenwart spannt. Eine Mi'kmaq-Familie aus Nova Scotia kommt in Maine an, um den Sommer über Blaubeeren zu pflücken. Einige Wochen später ist die vierjährige Ruthie verschwunden. Sie wird zuletzt von ihrem sechsjährigen Bruder Joe gesehen, als sie auf ihrem Lieblingsstein am Rande eines Beerenfeldes sitzt. Ihr Verschwinden wirft Rätsel auf, die Joe und seine Familie verfolgen und fast 50 Jahre lang ungelöst bleiben. In Maine wächst ein Mädchen namens Norma als Einzelkind…
Joel Dicker – Ein ungezähmtes Tier
Ein schillerndes Ehepaar, neugierige Nachbarn und ein raffinierter Juwelenraub: die Ereignisse überschlagen sich, während der Autor uns an der kurzen Leine hin und her durch eine Geschichte führt, die in den Perspektiven wechselt und wo sich die Zeitebenen kreuzen wie im Ruhrgebiet die Autobahnen. Hört sich kompliziert an, dabei fesselt der Plot von der ersten Seite an: am 2. Juli 2022 bereiten in Genf zwei Einbrecher den Überfall auf einen Juwelier vor. Unweit der Stadt in einem wohlhabenden Viertel steht die Anwältin Sophie Braun kurz vor ihrem vierzigsten Geburtstag, zu dem sie ein großes Fest plant. Sie scheint ihr Familienglück…
Eva Strasser – Wildhof
Lina besucht den Ort ihrer Kindheit aus traurigem Anlass, die Eltern sind bei einem Unfall verstorben. Beerdigung, Hausverkauf, alles muss organisiert werden und natürlich kommen eine Menge Erinnerungen an Kindheit und Jugend, ihren Weggang aus dem kleinen Ort im Schwarzwald und ihre Zwillingsschwester Luise auf, die vor vielen Jahren spurlos verschwand. Solche Geschichten hat man bereits gelesen, aber wie hier erzählt wird, das ist besonders. Es ist eine Freude, nicht nur in die Story einzutauchen, sondern damit auch in die Gedankenwelt der Protagonistin: bittersüß, lustig, krass eigenwillig und echt von dieser Welt. Eva Strasser schreibt, wie sie denkt (denk´ ich…
Liz Moore – Der Gott des Waldes
Manche sagen, es sei tragisch, was den Van Laars widerfahren ist. Manche sagen, die Familie habe es verdient. Sie hätten sich nicht einmal bei den Suchern bedankt, die fünf Nächte lang im eiskalten Wind ausharrten, um ihren vermissten Sohn zu finden. Manche sagen, es habe einen Grund gegeben, warum die Familie so lange brauchte, um Hilfe zu rufen. Dass sie wussten, was mit dem Jungen geschehen war. Jetzt, vierzehn Jahre später, ist die Tochter der Van Laars in derselben Wildnis wir ihr Bruder verschwunden. Manche sagen, es gebe keine Verbindung zwischen den beiden Fällten. Manche sagen, so etwas könne kein…












