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Hannah Tinti – Die zwölf Leben des Samuel Hawley

„Als Loo zwölf Jahre alt war, brachte ihr Vater ihr das Schießen bei.“

Bereits der erste Satz dieses Buches nimmt den Leser gefangen und zieht ihn in eine 560 Seiten starke Geschichte, die so bildhaft erzählt ist, dass man gut daran tut, sich diesem Genuss an einem leselangen Wochenende ungestört ohne Unterbrechung zu widmen.

Samuel Hawley ist gesetzlos, er ist bis an die Zähne bewaffnet und erledigt seine unterschiedlichen kriminellen Jobs stets an der eigenen Schmerzgrenze ohne Schonung von Körper und Leben. Zwölf Kugeln haben ihn bereits verwundet, in zwölf Kapiteln seines Lebens erzählt der Roman von seinen schmutzigen Geschäften und von Lily, der Liebe seines Lebens.

… seit sie verheiratet waren, hatte er keinen zwielichtigen Auftrag mehr angenommen … dennoch trug er nach wie vor eine Waffe bei sich. Zum ersten Mal im Leben hatte er etwas zu verlieren und es erstaunte ihn, wie sehr sich dadurch alles änderte… er hatte sogar angefangen, sich im Auto anzuschnallen und sich regelmäßig die Zähne zu putzen …

Nachdem Lily bei einem seiner gefährlichen Jobs ums Leben gekommen ist, kümmert er sich alleine um die gemeinsame Tochter. Immer unterwegs, nirgendwo bleibt man lange. Als Loo zwölf Jahre alt wird, ziehen beide nach Olympus an die Ostküste der USA, den Ort, aus dem Lily stammt. Sie bewohnen ein Haus, Loo geht zur Schule: es kehrt für sie unter den misstrauischen Blicken der Einwohner des Städtchens eine Art von Normalität ein. Vor dem Hintergrund und dem Ballast von Samuels beruflicher Vergangenheit ist dies eine trügerische Ruhe.

Hannah Tintis Roman ist ein dichtes und fesselndes Leseerlebnis ohne Längen und Langeweile. Ebenso spannend wie die dort erzählten zwölf Leben des Vaters Samuel ist für den Leser die Teilhabe am Erwachsenwerden der Tochter Loo. Gekonnt wird hier eine Story in Szene gesetzt, deren Sog man sich nicht entziehen kann und die aufs allerfeinste zu unterhalten vermag.


Hannah Tinti „Die zwölf Leben des Samuel Hawley“ Kein und Aber-Verlag 2017 € 25,00
übersetzt aus dem Amerikanischen von Verena Kilchling.