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Mick Herron – Slow Horses

River Cartwright hat es versiebt: als MI5-Agent des Secret Service war er maßgeblich an einem Einsatz in der Londoner U-Bahn beteiligt und der ist gründlich daneben gegangen. Nicht nur ist er für 120 getötete oder schwer verletzte Menschen verantwortlich, auch 30 Mio Pfund Sachschaden und 2,5 Mrd Pfund Verlust in der Touristikbranche gehen auf sein Konto. Besser gesagt: würden auf sein Konto gehen, wäre dieser Selbstmordanschlag Realität und keine Übung gewesen. So oder so: er muss als Agent den Hauptsitz am Regent Park verlassen und auf Bewährung seine Zeit im „Slough House“ fristen, einer heruntergekommenen Zweigstelle des Secret Service mit ebenso unglücklich versetzten Kollegen, den – in lautmalerischer Anspielung auf die Adresse der Bruchbude – sogenannten „Slow Horses“.

Eine unschöne aber effektive Methode, die unfähigen Leute loszuwerden, ohne ihnen kündigen zu müssen. Das machen die reichlich frustrierten Agenten früher oder später von selber. Kein Wunder, werden deren Aufgaben von der Chefin des MI5 wie folgt beschrieben: „Sie spitzen Bleistifte oder falten Papier. Sonst nichts.“

Doch nichts ist wirklich geheim bei diesen beiden Häusern des Secret Services und während sich die „dogs“ des echten MI5 auf der schlauen Sonnenseite der Regent Street wähnen, sind die „slow horses“ dann doch nicht ganz so lahme Gäule wie es scheint.

Die Entführung eines pakistanischen Jugendlichen, der vor laufender Kamera binnen 48 Stunden hingerichtet werden soll, ruft alle vereint auf den Plan. Wobei nicht immer klar ist, wer mit welchen Waffen gegen wen kämpft und wie gut & böse verteilt sind.

Der erste Krimi einer neuen Reihe um den grantigen Chef Jackson Lamb ist eine höchst unterhaltsame Agenten-Parodie mit witzigen Dialogen und einem spannenden Plot (eine Leistung bei einem immerhin 500 Seiten starken Krimi!). Der kommt so herrlich sarkastisch wie erstaunlich wirklichkeitsähnlich daher, dass es eine Freude ist.

Damit ist „Slow Horses“ auch oder gerade für Leser geeignet, die Agententhrillern eher skeptisch gegenüberstehen.
Der englische Autor Mick Herron hat mit der Serie um die glücklosen Agenten („Sie sind schlau. Sie sind ehrgeizig. Und sie haben versagt.“) eine knackige Alternative zum üblichen Krimi-Genre geschaffen. Auch die nächsten 4 Bände der mit Preisen ausgezeichneten Reihe erscheinen – hoffentlich bald – in deutscher Übersetzung im Diogenes Verlag, Zürich.


Mick Herron, Slow Horses, Diogenes Verlag 2018 / € 24,00
Aus dem Englischen von Stefanie Schäfer