Buchempfehlungen von Litera
Elle Cook – The Man I Never Met
Ein ungeplantes Telefonat verändert zwei Leben: durch einen Zahlendreher ruft Davey versehentlich Hannah an. Dabei kommt es zu einem netten Gespräch, warum auch nicht. Er lebt in Amerika und sie in England. Als Davey einen Job in London annimmt, ergibt sich die Chance, dass ihre Wege sich kreuzen könnten. Aus den Nachrichten werden Telefonate und aus den Gesprächen werden Videocalls. Es fühlt sich an wie der Anfang von etwas, das Liebe sein könnte. Doch kann man jemanden wirklich lieben, dem man noch nie begegnet ist? Was klingt wie ein überzuckerter Sonntag-Abend-Herzkinofilm liest sich überraschenderweise als leichter, luftiger und überhaupt nicht…
Annika Büsing – Koller
Was für ein Buch! Komisch und traurig ist es, zugleich Roadmovie und Heimatroman, eine Geschichte über Liebe und vielleicht auch eine Liebesgeschichte. Koller jedenfalls ist nicht nur ein Name, sondern auch ein Zustand. Chris und er prallen zusammen, anders kann man das Zusammentreffen nicht beschreiben. Und dann geht sie los die Reise. Eigentliches Ziel war die Ostsee, ein kleiner Trip am Wochenende. Doch nur ein paar unvergleichliche Dialoge später ist man unterwegs nach Ludwigsburg zu Kollers Schwester und anschließend geht es im alten VW Polo in das überflutete Ahrtal zu einen Ort, dessen Name nicht Hannahhausen ist, aber doch so…
Jane Crilly – Der Gärtner von Wimbledon
Großbritannien 1938: die behütet aufwachsende junge Rose Blake will Profi-Tennisspielerin werden und in Wimbledon zu siegen ist ihr großer Traum. Doch die Zeit ist nicht reif - wenn es nach ihren Eltern geht, soll Rose eine gute Ehefrau und Mutter werden. Für den gleichaltrigen Henry Evans, der aus weitaus einfacheren Verhältnissen kommt, ist das große Anwesen der Familie Blake nach dem Tod seiner Mutter ein neues Zuhause geworden. Sein Vater hat dort eine Arbeit als Gärtner gefunden und obwohl die beiden Teenager Welten trennen – Rose, die Tochter aus besserem Hause, spielt Klavier und lernt Französisch, Henry gehört zum Hauspersonal…
Milena Michiko Flasar – Oben Erde, unten Himmel
Herr Ono ist unbemerkt verstorben. Allein. Es gibt viele wie ihn, immer mehr. Erst wenn es wärmer wird, rufen die Nachbarn die Polizei. Und dann erscheint Herrn Sakai mit dem Putztrupp, zu dem die junge Suzu nun gehört. Sie sind spezialisiert auf solche Kodokushi-Fälle. „Fräulein Suzu“, wie der Chef sie nennt, fügt sich widerstrebend in die neuen Aufgaben. Es braucht dafür viel Geduld, Ehrfurcht und Sorgfalt, außerdem einen robusten Magen. Die Städte wachsen, zugleich entfernt man sich voneinander und häufig verschwimmt die Grenze zwischen Desinteresse und Diskretion. Suzu lernt schnell. Und sie lernt schnell Menschen kennen. Tote wie Lebendige, mit…
Rachel Elliott – Flamingo
Dies ist einer der zauberhaftesten Romane dieses Frühjahrs - eine reine Freude, wie die Autorin sich mit luftigen Sätzen in die Herzen ihrer Leserschaft schreibt. Es ist schon eine faszinierende Ansammlung von eigenwilligen Persönlichkeiten, die diese seelenvolle Story bevölkern: da ist Daniel Berry, ein seit kurzem obdachloser junger Mann, der bei Stress in Reimen denkt und mit seiner Teenager-Mutter Eve eine Kindheit an so vielen unterschiedlichen Orten verbracht hat, dass ihm nur ein einziger eine Heimat auf Zeit war - das Reihenhaus in Norfolk in direkter Nachbarschaft zur Familie Marsh. Dort lebten Sherry und Leslie, ein herrlich sonderliches Ehepaar nebst…
Kristina Hauff – In blaukalter Tiefe
Zwei Pärchen und ein Skipper auf Segel-Törn in den schwedischen Schären: was als kombinierter Betriebs- und Freizeitausflug mit schicker Segeljacht und seltsamem französischen Schiffsführer beginnt endet mit einer Havarie und allgemeiner Abgetörntheit. Zuviele Alphatiere auf schwankenden Planken - da kommt keine Urlaubslaune auf. Die im Laufe der Reise zunehmend voneinander genervten Paare sorgen für reichlich schlechte Stimmung und der undurchsichtig agierende Skipper scheint ohnehin eigene Pläne für die Tour zu haben. Spannend und überraschend in seinen Wendungen hält Kristina Hauff die Erzählfäden des unterhaltsamen Romans straff und die Leserschaft am Ball, pardon, am Segel. Hanserblau 2023 / € 23,00
Katie Kitamura – Intimitäten
Eine junge Dolmetscherin aus New York, ihr Liebhaber mit ungeklärter Ehe- und Familiensituation und die ambitionierte Kunsthistorikerin aus London, die mit angezogener Handbremse ihren Job in einer Stiftung über-erfüllt: sie alle sind gelandet in Den Haag, einer Stadt, die sie zwar als kultiviert aber seelenlos empfinden. „Intimitäten“ der amerikanischen Schriftstellerin Katie Kitamura ist ein Roman über die Unbehausung der Anfang-Dreissiger:innen, die ihren Gefühle (noch nicht) trauen und ihren Weg in Leben, Arbeit und Gesellschaft erst noch finden müssen. Notfalls als Nomaden ihrer Emotionen und Fähigkeiten. Jung, aktuell und gegenwärtig ist dieses Buch für die Leser:innen, die an den Widersprüchen unserer…
Alexa Hennig von Lange – Die karierten Mädchen
Blind und mit über neunzig Jahren beginnt Klara, ihre Erinnerungen auf Kassetten zu sprechen. Auf der Suche nach dem Menschen, der sie einmal war, vertraut sie den Bändern ein Geheimnis an, von dem nicht einmal ihre Kinder etwas wissen. Siebzig Jahre zuvor: Die junge Klara ist überglücklich. Mitten in der Weltwirtschaftskrise 1929 bekommt sie eine Stelle als Lehrerin in einem Kinderheim in Oranienbaum. Als dort eines Tages Tolla, ein einjähriges Mädchen, abgegeben wird, fühlt sich Klara ihm auf Anhieb stark verbunden. Doch bald spitzt sich die wirtschaftliche Lage des Heims zu. Klara, die das Haus inzwischen leitet, sucht die Nähe…
Karl Ove Knausgard – Der Morgenstern
Wer den norwegischen Autor bislang nur als Verfasser seines ausschweifenden sechsbändig-autobiografischen Romanzyklus kennt, mag vor dem neuen Buch zurückgeschreckt haben. Aber keine Angst: dieser Roman ist völlig anders, für Knausgards literarischen Stil sogar ungewöhnlich unterhaltsam und dabei vielschichtig und vielstimmig. Er schildert einige Tage im norwegischen Sommer auf einer kleinen Insel aus der wechselnden Sicht mehrerer Personen. Diese erzählen von ungewöhnlichen Ereignissen und vom Auftauchen eines sehr hellen Sterns am Nachthimmel, der, wie es scheint, Natur und Menschen verändert. Ein wunderbar tiefgründiges und viel-seitiges Buch, das umso größere Freude bereitet, je mehr Seiten man ohne Unterbrechung am Stück lesen kann…
Andreas Schäfer – Die Schuhe meines Vaters
Dies ist das empathische Buch des Sohnes - Andreas Schäfer, 1969 geboren - getragen von dem Wunsch, seinen verstorbenen Vater näher kennen zu lernen. Er erinnert sich an ihn, sein Wesen, seine oftmals nicht sehr sympathischen Eigenschaften und die kriegsversehrte Kindheit. Das sehr lesenswerte Ergebnis ist eine kunstvolle Begegnung mit einem schwierigen Menschen, einem unbeherrschten und rechthaberischen Individuum, und dennoch gelingt Schäfer ein zugewandtes Beschreiben. Schuldgefühle und ängstliche Vergleiche mit dem dominanten alten Herren wechseln sich ab. Ein Buch über Väter und Söhne, über Trauer und die Schwierigkeit, richtige Entscheidungen zur rechten Zeit zu treffen. Die Schuhe des Vaters mögen…
Isabel Allende – Violeta
1920 kommt Violeta del Valle als jüngste Schwester von fünf Brüdern zur Welt. Die Auswirkungen des Krieges sind noch immer spürbar, da verwüstet die Spanische Grippe bereits ihre südamerikanische Heimat. Zum Glück hat der Vater vorgesorgt, die Familie kommt durch, doch schon droht das nächste Unheil, die Weltwirtschaftskrise wird das vornehme Stadtleben, in dem Violeta aufwächst, für immer beenden und die del Valles ziehen sich ins wild-schöne Hinterland zurück. Dort wird sie volljährig und schon bald steht der erste Verehrer vor der Tür. Violeta erzählt uns selbst ihr Leben - am Ende ihrer Tage schreibt sie ihrem geliebten Enkel einen…
Sachbuch-Tipp: Caroline Kraft und Susann Brückner – endlich. Über Trauer reden
Aus und zu dem Podcast der beiden Journalistinnen gibt es nun ein Buch. Endlich, möchte man sagen, da das Thema Trauer wirklich jede:n betrifft und dieses Gefühl so unendlich viele Facetten hat. Da war diese Auseinandersetzung überfällig. Und, um es gleich vorwegzunehmen: ich wünsche diesem Buch viele Leser:innen. Ein schmales Buch und dennoch voll von guten, nützlichen, interessanten und so noch nicht gelesenen Fakten und Betrachtungsweisen. Es kommen außer Caro Kraft und Susann Brückner selbst, die im Wechsel anhand persönlichen Schicksale die unterschiedlichen Zustände der Trauer beleuchten, weitere Sachkundige zu Wort. Experten wie Bestattungsunternehmer:innen, Trauerbegleiter und Angehörige aber auch Menschen,…












