Als Elsa im Sommer 1949 in Island ankommt, ist sie eine der knapp dreihundert junge Frauen aus Deutschland, die dem Aufruf der isländischen Bauernpartei gefolgt sind, um dort ein Jahr auf Höfen zu arbeiten. Die Bauern hoffen auf Arbeitskräfte sowie Heiratskandidatinnen, nachdem viele Isländerinnen in die Städte abgewandert sind. Sprachkenntnisse können die Frauen nicht vorweisen, aber oft haben sie nichts zu verlieren.
Auch Elsa schweigt. Sie ist nicht hier, um zu bleiben, sie trauert um ihre Freundin Sola, und mit den Bauersleuten kann sie sich zunächst ohnehin nicht verständigen. Dennoch entsteht zwischen Grassodenhaus, leuchtenden Wiesen und endlosem Meer ein Zusammenleben, das sich Elsa irgendwann nicht mehr vom Leibe halten kann. Allein ihre Anwesenheit verändert die Dynamik auf dem Hof – besonders die der Bauernsöhne.
Es gibt Erwartungen, ausgesprochene und unausgesprochene. Und dann ist da auch noch die verschwundene Tochter der Familie, über die niemand spricht und deren Verbleib Elsa interessiert.
Katrin Zipse erzählt einfühlsam und lebendig anhand eines fast vergessenen Stücks Geschichte, was es heißt, zu einer neuen Sprache und in ein neues Leben zu finden.
Gestützt auf die Reportage von Anne Siegel über die deutschen Einwanderinnen in Island nach dem 2. Weltkrieg („Frauen, Fische, Fjorde“) erweitert Zipse diese um eine fiktive aber durchaus realistische Romanhandlung.
DuMont 2026 / € 24,00
