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Anja Reich – Simone

“Einen Tag vor ihrem Tod rief Simone mich noch einmal an. Das weiß ich genau, denn ich hatte keine Zeit“.

So beginnt das Buch der Journalistin Anja Reich, in dem sie über ihre Freundschaft zu Simone berichtet und ihren Versuch beschreibt, deren Selbsttötung vor über 25 Jahren zu verstehen.

Aufgewachsen sind beide im Ostteil Berlins, haben in den achtziger Jahren Feste gefeiert, sich verliebt und gemeinsam den Fall der Mauer erlebt. Danach verändert sich beider Leben in unterschiedliche Richtungen: Anja beginnt zu arbeiten, heiratet und wird Mutter.
Simone lässt sich treiben, reist in ferne Länder und beendet weder ihre Ausbildung noch reicht ihr eine Liebesbeziehung zur Zeit. Sie bleiben verbunden, wenn auch der Kontakt unregelmäßiger wird. Die Nachricht ihres Todes ist für Anja und für alle, die Simone kannten, ein Schock.

Erst Jahre später vermag Anja Reich sich auf die Suche nach Antworten zu machen. Und sie stellt sich die Fragen, ob sie ihren Tod hätte verhindern können und wie man das Leben so lieben und trotzdem daran zerbrechen kann.

Sie besucht Simones Eltern, ihren Bruder, ihre Familie in Tschechien und führt Gespräche mit den Freunden von früher, den Schulfreundinnen und ihren Liebhabern von einst. Sie erfährt Überraschendes, Trauriges und nie Gekanntes über ihre Freundin. Mit Hilfe vieler Erinnerungssplitter setzt Anja Reich deren Leben zusammen und vermag dennoch nicht zu verstehen, was ihre Freundin zu diesem Freitod gebracht hat.

Die aus persönlichem Interesse begonnene Recherche entwickelt sich zu einem zeitgeschichtlichen Zeugnis – dem Leben in der DDR und dem vereinigten Deutschland – und blättert ihrer Leserschaft eine umfassende Freundschafts- und Lebensbeschreibung auf. Anja Reich wahrt journalistische Professionalität und erlaubt trotzdem private und berührende Erinnerungsmomente in ihrem Buch. Diese Kombination macht „Simone“ zu einem sehr lesenswerten Bericht.

Aufbau-Verlag 2023 / € 23,00