Als Marissa im Alter von sechs Jahren ihre Mutter verliert, beschließt ihr Vater, ein Meeresbiologe, die Forschungsarbeit seiner Frau fortzuführen. Vater und Tochter gehen von New York nach Thailand. Dort trifft sie Arielle, und eine geradezu märchenhafte Freundschaft entsteht. Unter der Woche leben die Mädchen in dem Hotel-Resort von Arielles Eltern, an den Wochenenden verbringen sie ihre Zeit mit Marissas Vater auf einer nahe gelegenen Insel.
Gemeinsam entdecken die Mädchen die zerbrechlichen Wunder der Riffe, Wälder und Strände. Gemeinsam lernen sie, in die Tiefe zu tauchen und minutenlang den Atem anzuhalten. Sie bewegen sich ebenso mühelos im Wasser wie die Mantarochen, die sie mit Namen kennen und ebenfalls gemeinsam lernen sie, aus Gefahren herauszuschwimmen.
Doch dann kommt die riesige Welle, der Arielle nicht entkommen kann.
Jahre später ist Marissa zurück in New York, orientierungslos, verfolgt von der Erinnerung an ihre Freundin und erneut bedroht durch eine Naturkatastrophe. Als im Laufe zweier schicksalhafter Tage die Vergangenheit zurückkehrt, entdeckt sie, wie sie sich in einer unsicheren Welt behaupten kann.
Empathisch betrachtet die Autorin die spezielle Empfindung von Trauer, wie sie nur in einer Freundschaft entstehen kann:
„wenn die Leute erfahren, dass ich an jenem Tag dort war, fragen sie mich, ob ich Familienangehörige verloren habe … nach ein paar Jahren wurde mir klar, dass man nur um ganz bestimmte Menschen trauern darf. Zur Liste … gehören Eltern, Ehepartner, Geschwister oder ein Kind. Aber zu lange um jemanden zu trauern, mit dem man nur befreundet war, ist verpönt … Leute haben mir gesagt, ich solle es nicht so schwernehmen …“
So wie die Geschichte zwischen den Erzählebenen 2004 in Thailand und der Gegenwart 2012 in New York wechselt verändert sich auch die Erzählerin von einer sorglosen Jugendlichen in eine suchende und Verlust erlebende Erwachsene. Das ist bewegend und lesenswert.
DuMont 2026 / € 23,00
